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Geschichte der Kapelle
 
 
     
 
Sie sind hier: Unsere Kirche > Geschichte der Kapelle St. Joseph
 
     
  Wie kam es dazu, dass in einem rein evangelischen Dorf in Brandenburg eine katholische Kapelle gebaut wurde? Eine der ersten in Bran-denburg. Der von Bismarck hervorgerufene und von liberalen Kreisen unterstützte Kulturkampf hinterließ tiefe Spuren. Um Einfluss über die kath. Kirche zu gewinnen, wurde eine Anzahl antikirchlicher Gesetze erlassen, wie z. B. Ausweisung der Jesuiten aus Preussen (aufgehoben 1917), der sogenannte Kanzel-Paragraf, zu vergleichen mit dem Paragrafen "Gegen das Türkentum" in der Türkei. Der Kanzelparagraf wurde erst 1952 aus dem Gesetzbuch gestrichen. Er diente zuletzt den National-Sozialisten dazu, Priester zu Haftstrafen zu verurteilen und in Konzentrationslager einzuweisen. Außerdem wurden 296 Ordensniederlassungen aufgehoben, u. a. die der Ursulinen in der Lindenstraße in Kreuzberg. Sie durften erst nach 12 Jahren Verbannung in ihr Kloster zurückkehren. Aus der Chronik des Ursulinenklosters: Bei der Auflösung des Berliner Ursulinen-Konvents am 31. März 1877 genehmigte Seine Majestät Kaiser Wilhelm I. auf persönliche Bitte des Fürsten Victor von Ratibor und des königlichen Zeremonienmeisters Graf Stillfried von Alcantara, dass sechs Ursulinen in der Rudower Villa Praschma bleiben durften. Da der Konvent keinen Besitz mehr erwerben durfte, erwarb auf Anregung des Geistlichen Rates Eduard Müller am 4. Juli 1883 Fräulein Maria Sarge das Grundstück Kaiser-Wilhelm-Straße 10 in Rudow, jetzt Alt-Rudow 46, von dem Milchzüchter Carl Reime, worauf dann die Kapelle gebaut wurde.

Dieses Grundstück vererbte Frl. Sarge durch Rentenvertrag und späterem Testament an die Ursulinin Maria Augustina, geb. Emilie Henriette Nickel.
Der Preis für das 3.952,87 qm große Grundstück betrug 59.000 Goldmark.
Die Genehmigung für den Bau der Kapelle wurde von Frl. Sarge bei der Rudower Gemeindeverwaltung und der Baupolizei eingeholt. Sie genehmigten aber nur einen Betsaal, der nicht an der Straße liegen und auch keinen Glockenturm haben durfte. Der Dachreiter (Glockenturm) wurde erst 45 Jahre später 1929 erbaut und mit einer kleinen geweihten Glocke bestückt.

Von Oktober bis Dezember1883 errichtete der Bauunternehmer Herr Dommisch aus Glienicke den einfachen Saalbau.

Kosten:
Rohbau 7.194,62 M
Innenausstattung und Ausmalung 5.239,80 M
Einrichtung der Wohnung für den Geistlichen 1.527,60 M
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Gesamt: 13.962,02 M

Der neugotische Altar wurde vom Tischlermeister Schneider aus Altglienicke für 900 M angefertigt. Die Ausmalung entwarf Herr Kuratus Edward Podlech und ließ sie ausführen. Am 19. Juni 1884 wurde die Kapelle in aller Stille vom fürstbischöflichen Delegaten Probst Aßmann von der Hedwigskirche zu Berlin eingeweiht. Während der Priesterverfolgung im Kulturkampf war Rudow ein wichtiger Stützpunkt für die verfolgten Priester und Ordensleute, die in Preußen versuchten, das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten. Dies wird auch in der einschlägigen Literatur erwähnt.

Die Kapelle war wohl der viertälteste nachreformatorische katholische Kirchbau im jetzigen Berlin.
Mit ihren 70 Sitzplätzen und 130 Stehplätzen war sie zu damaliger Zeit ausreichend, aber nach dem 2. Weltkrieg mit der einsetzenden Bautätigkeit und der damit verbundenen Zunahme der Katholiken in Rudow zu klein und so musste sie dem neuen Gemeindezentrum weichen.

Den Abriss der Kapelle haben alteingesessene Rudower Katholiken wehmutsvoll erlebt.

Aus dem Pfarrbrief, Ausgabe Juni 2009
 
     
 
     
   
 
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